Die Sache mit der Bindung

Meine Nachbarin heiratet nächsten Monat. Wow. Sie ist im selben Jahr geboren wie ich. Also noch keine 30. Ich habe schon sehr oft übers Heiraten nach gedacht. Ich liebe meinen Freund. Und es gibt Momente, da könnte ich ihn auf der Stelle zum Standesamt schleifen. Da bin ich dann so erfüllt mit Liebe und Sicherheit, dass ich mich frage: warum warten? Ich will diesen Mann und ich will ihn für immer.

Und dann ist da diese fiese Unsicherheit in mir. Wo ich alles in Frage stelle – weil ich mich in Frage stelle. Ich denke ich gehöre zu den Menschen, die sehr schnell an der Liebe eines Anderen zweifeln. Ich bin so offen für Verletzungen und ich kenne glaube ich niemanden, der vieles so persönlich nimmt wie ich. Außer meinen Freund. Und das macht das Ganze nämlich so kompliziert. Wir sind beide sehr emotionale Menschen und mit einer gewaltigen Portion Temperament gesegnet. Wir werden beide von Verlustsängsten gelenkt und rutschen wohl auch beide in solch eine Selbstunsicherheit, dass wir den anderen von uns wegschubsen, weil wir ja eh nur alles falsch machen und der andere ohnen einen ja doch besser dran wäre. 😉 Ich könnte auch sagen, wir müssen aufpassen dass wir uns nicht mit Liebe ersticken. Und das ist so eine Sache, wo ich weiß, dass sie Gift für mich ist. Ich BRAUCHE Distanz. Ich brauche Freiraum. Ich brauche Grenzen. Weil ich diese nie gelernt habe zu leben. Zu setzen. Zu erfahren. Und das ist wichtig, um ein autonomer Mensch zu sein, der bei SICH bleiben kann. Ich habe glücklicher Weise und auch leider die Fähigkeit, ganz aus mir heraus zu gehen und in die Haut des anderen zu schlüpfen. Zu erahnen was er braucht und fühlt und ihn, ohne in Kontakt mit mir selbst zu sein, mit allem was er braucht zu versorgen. So habe ich überlebt. Das ist mein Muster. Und das ist alles andere als gesund. Mein Freund leidet oft und viel unter meiner „Unnahbarkeit“. Er sagt dann dass er richtig spürt, dass sich alles in mir gegen seine Nähe wehrt. Das sind dann aber die Zeiten, in denen ich allein sein muss, um den Kontakt wieder zu mir und meinen Gefühlen herzustellen. und mit allein meine ich z.B. gemütlich, ohne Körperkontakt auf dem Sofa zu sitzen. Ich habe mich dann nämlich ganz in meinem Freund verloren und wenn es dann zur Auseinandersetzung kommt und ich angetriggert werde, schwebe ich im Nichts. Ich verlieren den Kontakt zu ihm und zu mir. Dann fühle ich nicht. Dann bin ich nicht. Abgespalten von allem. Und das erscheint mir unerträglich. Das ist etwas, was ich einfach nicht mag. Ich bestehe auch noch auf meine eigene Wohnung, weil ich einfach Auszeiten brauche, um mich zu fangen. Um zu mir zu kommen. Oder um zu mir zurück zu kommen.
Ich kann nicht von meinem Freund erwarten, dass ER meine Grenzen zieht. Das muss ich schon selbst. Und solange ich das noch nicht im Griff habe, wäre ein Eheleben wohl keine gute Idee. Einfach wegen meiner Angst mich im Nichts zu verlieren….
Und dieses Wechselbad zwischen -ihn an mich heranziehen und mit Liebe erschütten- und
-ihn von mir weg schubsen und in mich gekehrt sein- das will ich ihm auch nicht antun.

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Aber alles in Arbeit! 😉

Kathi

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