Aller Anfang ist schwer… und das Thema mit der Essstörung

Ich weiß nicht genau der wievielte Anlauf das hier ist ein „Online-Tagebuch“ anzufangen. Ich gab immer auf nach der Überlegung: „Wie fängt man so etwas an? Was soll ich auf die erste Seite schreiben?“ Und da ich eine kleine Perfektionistin bin, war mir nichts, was ich bisher geschrieben habe, gut genug, um es zu veröffentlichen. Also verwarf ich bisher alles und „zog das Ding nie durch“, bis jetzt. Nun versuch ich mich selbst davon zu überzeugen, dass es im Endeffeckt so ziemlich egal ist, was auf der ersten Seite steht. „Kathi, das hier ist DEIN Ding. Hier kann stehen was will. Scheiss egal! Das tust du für dich, du willst niemanden beeindrucken und vor allem musst du hier niemandem gerecht werden. Du bist anonym. Schreib was du willst!“

Also, scheiss drauf!

Momentan fühl ich mich vollgefressen, bestimmt fünf Kilo schwerer und rund 15 cm breiter. Ich hab mich vollgefressen mit selbstgemachten Crêpes. Fett Schokocreme und Banane drauf! Yam! Vier oder fünf fette Crêpes! Scheisse! Und schon plagt mich die Reue. Am Donnerstag unterhielten mein Therapeut und ich uns über meine Essstörungs-Diagnose. Er fragte mich ob ich in meinen Augen eine Essstörung habe. Das war ziemlich schwer zu beantworten. Und er bekam auch keine Antwort, weil in meinem Kopf eine wilde Diskussion begann und ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Typisch. So ist das oft. Ich könnte auch sagen, jeder Anteil in mir will immer und ständig seinen Senf dazu geben. Und das macht es mir manchmal nicht leicht, schnell eine klare Antwort zu geben oder eine Entscheidung zu treffen. Jetzt, einige Gedankenzüge und Tage später, würde ich ihm wohl antworten, dass ich Tage habe, wo ich wohl hervorragend in die Kathegorie „Essstörung“ passen würde. Vielleicht habe ich einen essgestörten Anteil in mir, der sich ab und an nach vorne drängelt und sich dickköpfig durchsetzt. Sollte ich mein Essverhalten beschreiben, wäre es wohl mit einer Berg-und-Talfahrt zu vergleichen. Nehme ich mal die letzten ca. neun Monate. Ich war mal wieder völlig angefixt von dem Erfolgsgefühl, wieder Gewicht verloren zu haben.  Durch den ganzen Stress habe ich, aber eher unabsichtlich, um die fünf Kilo verloren. Als ich überrascht auf die Waage geschaut habe, überkam mich ein Gefühl der Euphorie, welches ich so vermisst hatte. Ich hatte wieder einen Grund, stolz auf mich zu sein und mich schöner fühlen zu dürfen. Zack, war ich wieder im alten, achso bekanntem Muster. Jemand in mir sagte: „Siehst Du, es ist wieder an der Zeit. Du kannst es. Du kannst schlank sein wenn Du das willst! Du packst das“ So hungerte ich mich runter auf 50 Kilo bei 164 cm. Was ja noch im Normbereich ist, weswegen ich der Überzeugung war, alles sei in Ordnung. Den Schwindel, Haarausfall, die Verdauungsstörungen und andere Mangelerscheinungen blendete ich einfach aus oder konnte mir halt nicht erklären, was los ist. Ich glaube ich habe nie ganz das Körpergefühl aus der Zeit, als ich übergewichtig war, verloren. Irgendwann wurde ich aber allgemein stabiler und es ging mir sehr gut. Und dann zu gut. Ich hatte gerade zu einen Höhenflug, mir war es egal was die Waage sagt, weil ich kurze Zeit so etwas wie „Selbstbewusstsein“ verspürte. Und DANN fing ich an zu essen. Oder zu FRESSEN. Auch wenn mein Schnatzi der Meinung ist, es seien normale Portionen gewesen. Für mich fühlte es sich unendlich viel an. So nahm ich langsam wieder zu und wog gesunde 55 Kilo. Mich beruhigte zum Glück, dass ich trotzdem noch in meine XS-Jeans passte. Exzessives Saufen am Wochenende mit Hochprozentigem und Kotzeskapaden haben mich erstmal wieder fasten lassen. Mein Magen konnte einfach nichts zu Essen vertragen. Es hatte sich wieder eingependelt. Und nun stellte ich mich neulich gefasst auf die Waage. Wir hatten öfter Essen bestellt, weil ich zur Zeit grosse Probleme mit Einkaufen und Kochen habe, also schätzte ich mich nach einem Blick in den Spiegel auf 57 Kilo. Ich war überrascht. Ich wiege 51 Kilo. Und ich fühle mich trotzdem schlecht. Wegen der Crêpes.
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Ob ich eine Esstörung habe? Manchmal.

Und verdammt, wer ist diese oberflächliche Tussi?

Ich hasse diesen Schlankheitswahn und ich mag Frauen mit Kurven. Ich mag nur nicht mich…nicht immer 😉

Kathi

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